Businessmänner, Imponierhampels und das Matrjoschka-Prinzip

In seinem ROBIBLOG widmet sich Adrian Peter feinsinnig bissig der Sprache, der Kommunikation und einer Vielzahl von Themen aus Geschäftsleben, Sport und Weltgeschehen. Auch für Inverve spitzt der scharfzüngige Schweizer die Feder. Was ausgekochte Dümmlinge in den Chefetagen großer Unternehmen anrichten – ein Warnruf:

Adrian Peter

In der Sprache der Businesswelt operiert man gerne mit Worthülsen wie “Faktenplattform” oder „skalierbare Einnahmestrategie“ und noch lieber mit Phrasen wie “Wir brauchen einen globalen Solutionsfinder” oder didaktischer: „Ihnen fehlt ein bahnbrechender Communityfaktor“. Wir könnten ganze Bände mit solchen Flachsinnwörtern füllen und die grenzenlose Unbildung derer zur Schau stellen, die sich mit einer solchen Quatschsprache unglaublich klug vorkommen. Aber das ist ja gerade das Besondere an dieser Krankheit: Die Dummheit gibt sich gerne gescheit. Und wer unter ihr leidet merkt es nie – nur immer die anderen.

So verstecken sich ausgekochte Dümmlinge gekonnt in den Chefetagen großer Unternehmen. Ein Dummbatz, der an die Macht kommt, wird auch wieder Einfaltspinsel einstellen, die gedankenlos alles nachplappern, was er sagt. Und seine subalternen, denkfaulen, hierarchiegläubigen Dödels werden sich ebenfalls alle erdenkliche Mühe geben, noch größere Dünnbrettbohrer einzustellen, als sie selbst es sind. Bis das System schließlich kollabiert.

Das Phänomen ist gefürchtet und funktioniert nach dem Prinzip der russischen Matrjoschkas: diesen Holzpuppen, die man öffnen kann und in denen immer eine weitere identische, kleinere Puppe drin steckt. Unterentwickelt wie der russische Finanzmarkt, der auch kaum durchschaubar ist, weil die Prüfer schludrig sind, über alles hinwegsehen oder sich täuschen lassen. Wer da aufräumen will, lebt gefährlich, denn es fehlt in Moskau an einer effektiven Gesetzgebung und an unabhängigen Richtern, die an einem ernsthaften Kampf gegen die Korruption interessiert sind.

Doch zurück zum Thema: Fragen Sie einfach mal solche verbalen Imponierhampels, Wichtigtuer und Wortakrobaten, ob sie denn das Business-Kauderwelsch auf Deutsch übersetzen könnten und wenn das nicht gelingt, machen Sie der HR-Abteilung doch mal das umgekehrte Matrjoschka-Prinzip klar, damit Ihre Firma wieder richtig Business macht, oder stellen Sie nur noch Russen ein.

Adrian Peter

Foto: © pawusik – Fotolia.com

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