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Blah Blah Blah: Was hilft, wenn Worte nicht mehr weiter helfen

Bei Tim Bendzko sind es die Gefühle, für die ihm die Worte fehlen. Ersatzhalber und zu unserer Freude belegt er seine Gedanken mit Musik und singt. Nicht jeder kann das. Auf geschäftlichem Terrain herrschte hierfür zudem wohl wenig Verständnis. Der US-Amerikaner Dan Roam hat einen Ausweg für alle, denen im Beruf die Worte fehlen – nicht nur, wenn Probleme zu lösen sind: Zeichnen. Das jüngste Werk des Bestsellerautors, “Blah Blah Blah: What To Do When Words Don’t Work”, soll im April dieses Jahres auch in deutscher Sprache erscheinen. Markus Gladbach hat sich das englischsprachige Original angesehen:

Jeder kennt das. Eine Präsentation steht an, man stürzt sich auf PowerPoint, im Nu sind 30 Folien geschrieben – und wie immer bestehen diese aus viel zu wenig bereits tausendmal verwendeter Grafik und viel zu viel Text. Also erneut überarbeiten, doch das dauert alles viel zu lange und wird einfach nicht mehr gut. Wieder werden sich die Zuhörer langweilen. Diesem unbefriedigenden Arbeitsprozess hat der US-amerikanische Autor Dan Roam den Kampf angesagt.

Roam beschäftigt sich vor allem mit der Schriftsprache, nämlich wie man sie vereinfacht und reduziert und durch selbstgemalte Bilder ersetzt. Den ersten Schritt hat er bereits in seinem Bestseller aus dem Jahr 2008 „The Back oft the Napkin“ verdeutlicht. Das Thema Visualisierung behandelt er in seinem im November 2011 in englischer Sprache erschienenen neuen Buch „Blah Blah Blah: What To Do When Words Don’t Work“. Ab April 2012 soll es auch in deutscher Sprache vorliegen.

Ohne gute Visualisierung kommt man oft in Meetings oder Vorträgen nicht mehr weiter. Man erklärt alles viel zu kompliziert und zu lang, die Zuhörer verstehen nur die Hälfte, sind unkonzentriert und schalten schnell ab. Anders wird es, wenn man auf kurze und spannende Visualisierungen setzt. Roam lehrt uns, wie man mithilfe eines sogenannten Blah-Blah-Meters seine Texte überprüft und mit Vivid Thinking eine grafische Sprache entwickelt, die absolut reduziert funktioniert und spannend und unterhaltsam ist. Das breitet er auf 368 Seiten in gewohnter Manier detail- und geistreich aus und vor allem mit jeder Menge selbstgezeichneter Skizzen, die seine Thesen belegen. Allerdings könnten diese Zeichnungen wie schon bei seinem letzten Buch erneut großformatiger sein.

Er macht also genau das, was er predigt, und das mit ungeheurem Sendungsbewusstsein. Aber das hat man ja oft bei Sachbüchern jenseits des Teiches. Es wiederholt sich alles recht häufig, und man wäre gewiss auch mit 100 Seiten weniger ausgekommen. Lässt man sich jedoch darauf ein, werden die Methoden dem Leser tief eingeimpft, was ja nicht das Schlechteste ist. Denn was gibt es Schlimmeres als langweilige Vorträge. Liest man dieses Buch, sollte man „The Back oft the Napkin“ ignorieren, denn das meiste, was darin steht, taucht bei „Blah, Blah, Blah“ wieder auf.

Roam gibt dem Leser eine breite Auswahl an Tools und Techniken mit, die leicht zu erlernen sind. Das Buch ist dadurch sehr praxisnah, seine Empfehlungen sind leicht umzusetzen. Ich hätte jetzt die Buchkritik nach der Lektüre auch zeichnen können, aber darauf habe ich diesmal noch verzichtet – ausnahmsweise. Das Buch kostet rund 18 Dollar, eine Investition, die sich wirklich lohnt.

Markus Gladbach

Weiterführende Links:

Markus Gladbach leitet das Münchner Büro von markenzeichen. Er ist u.a. auf Twitter, XING und Facebook vertreten.

Bei Dan Roam paart sich die Begeisterung für visuelles Denken übrigens mit der Sorge, dass wir so viel reden, dass wir das Denken darüber glatt vergessen. Bei aller Freude fürs Zeichnen zeigt er sich als Freund klarer Worte. Hier präsentiert er sein Blah-Blahmeter:

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