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Die dritte Dimension senkt Kosten: Warum Virtual Reality immer mehr Kommunikationsbereiche erschließt

Wenn bei Messen und Veranstaltungen komplexe Maschinen oder große Anlagen ihren Auftritt haben, sorgen allein die Standgröße und der Transport für erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Virtual Reality kann helfen, die Kosten erheblich zu senken und durch die kinoreife Darbietung zugleich das Interesse ankurbeln. Die Präsentationssysteme werden besser, bezahlbarer und kleiner. Inverve-Gastautorin Claudia Bendrat hat sich in die dritte Dimension der Kommunikation begeben:

Echtes Erleben in einer künstlichen Realität – Virtual Reality ist eine interaktive dreidimensionale Visualisierung auf sehr hohem Niveau. Die 3D-Darstellung vermittelt dem Betrachter den Eindruck, in die virtuelle Umgebung integriert zu sein. Sie erlaubt ihm das „Eintauchen“ in die Modelle und das Verändern in Echtzeit. Dabei erlebt er die drei I’s der Virtual Reality: Immersion, Interaktion und Imagination. Immersion bezeichnet das Eintauchen in die künstliche Welt. Interaktion drückt den Vorgang des aktiven Eingreifens und Handelns aus. Mit zunehmender virtueller Wahrnehmung fühlt sich der Betrachter tiefer in seine synthetische Umgebung versetzt, bis hin zu dem Gefühl, Teil der virtuellen Welt zu sein. Diese Vorstellungskraft drücken Experten mit dem Begriff Imagination aus.

Neben leidenschaftlicher Liebe zur Filmtechnik trieben vor allem militärische Anforderungen die Entwicklung der Virtual Reality an: Flugsimulatoren sollten den werdenden Piloten möglichst viel Körpererfahrung liefern. Der erste Flugsimulator half Luftschiffern in den Zwanzigerjahren – es war ein Cockpit auf beweglicher Plattform, die auf Zündung und Bedienung des Steuerknüppels reagierte. Als Meilenstein zur Darbietung computergenerierter Welten gilt das 1965 von Ivan Sutherland konstruierte Head Mounted Display HMD. Sutherland hatte winzige Monitore in eine Brille montiert. Fünf Jahre später brachte er sein Werk zur Vollendung, indem er sein HMD-System mit einer VR-Software verknüpfte. Da die erforderliche Hardware an beweglichen Stangen über dem Kopf des Benutzers baumelte, erhielt das System bald den Spitznamen „Damoklesschwert“.

Frischen Schwung erhielt die VR in den achtziger Jahren. Damals stieg die Rechnerleistung spürbar an, während gleichzeitig der Ost-West-Konflikt das Militär anspornte, Geld in technologische Entwicklungen zu stecken. LC-Displays landeten in Bildschirmbrillen, der Datenhandschuh zum griffigen Interagieren wurde entworfen. Rasant schritt die Optimierung voran, über Datenhelme hin zu Brillen, die Kontrollvorgänge durch Augenbewegung auslösen (2009). Herkömmliche VR-Systeme bestehen heute aus einem Eingabegerät wie Datenhandschuh oder Flystick, die die Bewegung des Ausübenden vermitteln; einem Ausgabegerät wie Bildschirmbrille, Datenhelm, Leinwand oder dem höhlenartigen Cave, weiterhin einem schnellen Rechner mit der VR-Software.

Virtual Reality findet in verschiedenen Bereichen Anwendung. Einige Beispiele verdeutlichen ihre Vielfalt: Mediziner präsentieren damit lebensnah einen Eingriff oder führen Fernoperationen durch. Sie trainieren Fingerfertigkeit und Griffe in der minimalinvasiven Chirurgie und lenken nicht zuletzt mit interaktiven Sequenzen Patienten von schmerzhaften Eingriffen ab (Pain Control). Ingenieure und Konstrukteure bewältigen mit der interaktiven dreidimensionalen Visualisierung Vorgaben ohne teure Prototypentwicklung: Sie ersticken Fehlkonstruktionen im Keim und beschleunigen Abstimmungsprozesse oder Designphasen.

In Computergames vertieft die so genannte Desktop-VR das Spielerleben. Architekten planen und erstellen realistische Bauwerke und erkunden ihre Gebäude von innen. Piloten trainieren noch immer am Flugsimulator – doch auch in vielen anderen Branchen wie zum Beispiel der Windenergie üben Techniker und Servicepersonal heute mit Virtual Reality Handgriffe. Hervorragende Dienste leistet sie zu Präsentationszwecken: Maschinen- und Anlagenbauer stellen mit ihrer Hilfe komplexe Maschinen und Anlagen für die Diskussion in fach- und funktionsübergreifenden Teams vor. Ebenso effektvoll wie kostensparend sind interaktive virtuelle Darbietungen auf Veranstaltungen und Messen.

Eine mobile Virtual-Reality-Lösung bietet beispielsweise das Bremer Systemhaus ci-base als Vertriebspartner der IC.IDO GmbH. Das Fraunhofer Technology spin-off IC.IDO wurde 2001 gegründet und ist mit über 800 Mitarbeitern Pioneer und Marktführer im Bereich Virtual Reality-Lösungen. Auf Messen oder in Präsentationen können mit der Visual Decision Platform (VDP) komplexe Produkte, wie zum Beispiel Schiffe, oder in Entwicklung befindliche Prototypen effektvoll zur Geltung gebracht werden: Mit 3D-Kino-Feeling begehen Besucher am Messestand komplexe Maschinen oder Anlagen in virtueller Form. Dieses sinnliche Erfahren bleibt haften und kurbelt Interesse an. Produziert oder vertreibt ein Unternehmen große Objekte, spart eine virtuelle Präsentation Kosten. Das mobile Vorführsystem nimmt aufgebaut nur fünf Quadratmeter in Anspruch und passt bequem ins Auto. Die Kosten, platzgreifende Maschinen mit Logistikdienstleistern zu transportieren, entfallen. Auch der Messestand fällt kleiner und damit günstiger aus. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen rücken damit Messeauftritte, die am Geld zu scheitern drohen, in den Bereich des Möglichen.

Mit Virtual Reality lassen sich auch Objekte zeigen, die noch nicht fertig sind: Die Betrachter widmen sich dem Prototypen als lebensnahes Modell und begreifen seine Merkmale und USP intuitiv. Messen und Veranstaltungen oder die Kommunikation zwischen verschiedenen Unternehmensstandorten – mobile VR-Lösungen eröffnen effektive Wege des Austauschs. Das Präsentationssystem besteht aus Powerwall, Projektor, Tracking-Brille und Kamera. Unterschiedliche Module in der Virtual-Reality-Software unterstützen das Erstellen von Präsentationen.

Da die Anwendungen im VR-Bereich so vielfältig sind wie die Anwender selbst, benötigen die Nutzer entsprechend ihrer Anforderungen verschieden ausgeprägte Hard- und Software. Die passende Variante kann bedarfsgerecht zusammengestellt werden. Um potenzielle Berührungsängste zu nehmen und das Handhaben der VR kennenzulernen, bieten die Bremer Experten die Möglichkeit, an einem Pilot-Projekt den konkreten Nutzen von VR zu erleben. Die Einstiegskosten für den Erwerb der Software liegen bei etwa 50.000 Euro. Die Hardware in der Basisvariante der mobil nutzbaren Visual Decision Platform kostet rund 25.000 Euro. Bei fest installierten Systemen entstehen Hardwarekosten von etwa 75.000 Euro. Wer für Messeauftritte oder kampagnenbezogene Gesprächsrunden nur punktuell auf Virtual Reality zurückgreifen möchte, kann das Präsentationssystem mieten.

Claudia Bendrat

Weiterführende Informationen, Links und Downloads:

Die Technische Universität Chemnitz hat an der Fakultät für Maschinenbau das Virtual Reality Center Production Engineering (VRCP) eingerichtet. Das VRCP versteht sich als interdisziplinäre Kommunikationsplattform für Forschung, Industrie und Lehre.

Präsentation zum Vortrag von Martin Wenzler, Geschäftsführer IC.IDO GmbH, beim Ludwigsburger IT-Brunch Ende 2011: Virtual Reality in Industrie & Mittelstand – wie Produkte virtuell evaluiert und realitätsnah präsentiert werden (PDF).

Präsentation zum Vortrag von Dr. Ulrich Häfner, Geschäftsführer imsys GmbH & Co. KG, ebenfalls beim IT-Brunch: Virtual Office 2.0 – Der Konferenzraum der Zukunft.

© Alle Fotos: IC.IDO

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